Kategorie: Dokumentation

Warum wir die Kampagne „Demokratie ist alternativlos“ unterstützen, hat viele Gründe

Das Unternehmen Reha & Beruf gGmbH unterstützt die Kampagne „Demokratie ist alternativlos“ mit einer hohen Spende. Nachstehend die Erläuterung der Geschäftsführerin warum sie das machen:

Junge Menschen sind in einer prägenden Phase ihres Lebens und suchen in vielerlei Hinsicht Orientierung und Halt. Deshalb finden wir es wichtig z.B. das kritische Denken, auch gerade im Hinblick auf Soziale Medien zu fördern. Fake News sind kaum noch von echten Fakten zu unterscheiden. Soziale Medien reduzieren komplexe Inhalte auf Halbwahrheiten, die oft ohne Kontext in die Welt gepustet werden. Verführungspropaganda ist so einfach und in ihrer Konsequenz so katastrophal. Deshalb ist die Auseinandersetzung damit so wichtig, es gilt die Resilienz gegenüber dieser Manipulation zu stärken.

Auch ein historisches Bewusstsein für unsere Geschichte ist unerlässlich. Die Gegenwart lässt sich ohne diesen wichtigen Kontext nicht angemessen bewerten. Denn wie fragil die Demokratie ist, sehen wir in vielen anderen Staaten auf der Welt- die Folgen allerdings auch.

Wir fördern die aktive gesellschaftliche und soziale Teilhabe, denn durch das Verständnis für politische Prozesse, können Menschen ins Handeln kommen. Denken wir nur an „Fridays for future“. Was hat sich aus der konsequenten Demo einer einzelnen Frau (damals Mädchen) entwickelt? Das hat niemand für möglich gehalten, und doch ist es passiert – eine wahnsinnige Bewegung ist entstanden – bis hin zu „grannys for future“.

Nicht zuletzt sind die heutigen Schülerinnen und Schüler die zukünftigen Wähler*innen, Entscheidungsträger*innen und Gestalter*innen unserer Gesellschaft. Ihre Sensibilisierung für demokratische Werte ist eine Investition in eine stabile und offene Gesellschaft.

Wir glauben außerdem an Bildung als Schlüssel für eine offene, vielfältige Gemeinschaft und stabile Demokratie. Bildung öffnet die Türen zu neuen Perspektiven, sie ist das Fundament für Toleranz, Innovation und eine gerechte Gesellschaft.

Wir hoffen, dass die Kampagne gut greift und die Nachfrage nach den Angeboten groß ist.

Herzliche Grüße!
Anja Fricke
Geschäftsführung

Reha & Beruf gGmbH
Höninger Weg 100
50969 Köln

Verharmloser der NS-Verbrechen darf nicht Vizepräsident des Thüringer Landtages sein!

Internationales Kommitee Buchenwald–Dora und Kommandos

Aufruf an alle Abgeordneten des Thüringer Landtages vom 24.01.2025

Mit einem dringenden Appell wendet sich das Internationale Komitee Buchenwald-Dora und Kommandos (IKBD), in dem sich Überlebende der beiden Konzentrationslager und ihre Angehörigen aus zahlreichen Ländern zusammengeschlossen haben, an die Abgeordneten des Thüringer Landtages: Es ruft sie auf, den als Geschichtsrevisionisten und Holocaust-Verharmloser bekannten AfD-Abgeordneten Jörg Prophet nicht zum Vizepräsidenten des Thüringer Landtages zu wählen.

„In Thüringen bahnt sich ein handfester geschichtspolitischer Skandal an“, sagt dazu Stiftungsdirektor Jens-Christian Wagner. „Ausgerechnet im unmittelbaren Anschluss an die Gedenkstunde des Landtags am 29. Januar 2025 zum Internationalen Holocaust-Gedenktag soll jemand zu seinem Vizepräsidenten gewählt werden, der die NS-Verbrechen wiederholt verharmlost hat – für die Überlebenden des NS-Terrors ein unerträglicher Gedanke, und das nicht nur wegen des zeitlichen Zusammenhangs.“

Der Nordhäuser AfD-Landtagsabgeordnete Jörg Prophet ist in den vergangenen Jahren mehrfach mit geschichtsrevisionistischen und den Holocaust verharmlosenden Positionen aufgefallen.

Nachfolgend dokumentieren wir den Aufruf des Internationalen Komitees vom 23. Januar 2025:

Ein Verharmloser der NS-Verbrechen darf nicht Vizepräsident des Thüringer Landtages sein!

Mit Empörung und großer Sorge blicken die Überlebenden der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora sowie ihre Angehörigen nach Thüringen. Dass dort mit dem AfD-Landtagsabgeordneten Jörg Prophet ein einschlägig bekannter Geschichtsrevisionist und Holocaust-Verharmloser zum Landtagsvizepräsidenten gewählt werden soll – und das ausgerechnet im Anschluss an die Gedenkstunde des Landtages und der Landesregierung zum internationalen Holocaust-Gedenktag – erschüttert uns zutiefst.

Jörg Prophet hat sich in den vergangenen Jahren mehrfach öffentlich mit den Holocaust verharmlosenden und geschichtsrevisionistischen Positionen hervorgetan, in dem er beispielsweise den U.S.-amerikanischen Befreiern des KZ Mittelbau-Dora „Morallosigkeit“ vorwarf oder den industriellen Massenmord in Auschwitz mit den britischen Luftangriffen auf Dresden im Februar 1945 gleichsetzte. Er verbreitet unter Rechtsextremen häufig genutzte Geschichtslegenden, bezeichnet Nazis als „linke Sozialisten“ und nutzt die von der AfD (und vormals von der NPD) häufig verwendete Redewendung eines angeblichen „Schuldkults“, durch die die Erinnerung an das Leiden unserer Kameraden und Angehörigen massiv diskreditiert wird. Ein Beitrag Prophets wurde sogar (ohne dass sein Autor namentlich erwähnt wurde) in den Thüringer Verfassungsschutzbericht 2021 aufgenommen, der zu dem Schluss kommt, der Autor verfüge über ein „geschlossenes geschichtsrevisionistisches Weltbild“.

In den letzten Jahrzehnten wurde von politisch Verantwortlichen Thüringens immer wieder deutlich gemacht, dass die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen grundlegend für die demokratische Kultur Thüringens ist. Der Thüringer Landtag und der*die jeweilige Ministerpräsident*in haben maßgeblich dazu beigetragen, ein gutes Zusammenwirken zwischen der politischen Ebene, dem IKBD und unzähligen weiteren Menschen in Thüringen, die sich für die Würdigung der Opfer des NS-Terrors engagieren, möglich zu machen. Die bisher regelmäßige Einladung unseres Komitees zur Gedenkstunde am 27. Januar war nur ein Beispiel für dieses Zusammenwirken.

Als Komitee, welches auch weiterhin das Andenken an die Opfer der Verbrechen der Nationalsozialisten bewahrt, bedauern wir zutiefst, dass diese in den vergangenen Jahrzehnten entstandene enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit des IKBD mit den staatlichen Institutionen Thüringens durch die Kandidatur Jörg Prophets nunmehr stark bedroht ist. Sollte dem Landtag ein einschlägig als Geschichtsrevisionist bekannter Politiker als Vizepräsident vorstehen, wäre das ein schwerer Schlag gegen unsere enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Mehr noch: Es wäre ein schwerer Schlag gegen die aufgeklärte, kritische Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen und gegen die Würdigung der Opfer des Nationalsozialismus. Unter einem Vizepräsidenten Prophet wäre uns eine Teilnahme an Gedenkveranstaltungen im Thüringer Landtag nicht vorstellbar.

Wir rufen alle Abgeordneten des Thüringer Landtages dazu auf, sich ihrer geschichtlichen Verantwortung bewusst zu sein und den skizzierten Schaden für den Freistaat Thüringen noch abzuwenden.

Naftali Fürst (Haifa, Israel)
Präsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos (IKBD), ehemaliger Häftling der KZ Auschwitz und Buchenwald

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